Mühlhausen

Sein reiches historisches Erbe macht Mühlhausen bekannt. Hier wirkten Johann Sebastian Bach und Thomas Müntzer. Bis heute sind viele der geschichtsträchtigen Bauwerke wie die Marienkirche und die Stadtmauer erhalten geblieben. Ein weiterer berühmter Sohn der Stadt ist Johann August Röbling, der in Mühlhausen geboren wurde und später die New Yorker Brooklyn Bridge konstruierte. Seit 2016 trägt Mühlhausen den Ehrentitel „Reformationsstadt Europas“ der Evangelischen Kirchen in Europa.

König Otto II. stellte im Januar 967 Mühlhausen eine Urkunde aus, mit der die Stadt erstmals namentlich erwähnt wurde und seinerzeit ein bedeutender Reichsgutbezirk war. Die Altstadt begann sich ab dem 11. Jahrhundert zu entwickeln, im 12. Jahrhundert die Neustadt mit der Marienkirche. Dies geschah unter Kaiser Friedrich I. Barbarossa. Im Jahr 1135 erhielt Mühlhausen als erster Ort in Thüringen das Stadtrecht. Heinrich der Löwe eroberte die Stadt 1180. Die Stadtmauer um die Innenstadt entstand um das Jahr 1200, das Münz- sowie Zollrecht erhielt Mühlhausen im 13. Jahrhundert. Zur freien Reichsstadt wurde Mühlhausen 1251 durch das Recht, einen Schultheißen zu ernennen. 1256 wurde die Burg zerstört und Kaiser Karl IV. bestätigte die Reichsfreiheit. Einige Jahre später trat Mühlhausen der Hanse bei. 1430 erfolgte die Mitgliedschaft im Goslarer Bund, was zur wirtschaftlichen Stärkung vor allem in der Tuchproduktion führte. Viele Jahre florierte die Wirtschaft Mühlhausens. Erst mit der Bedeutungsabnahme der Färberpflanze Waid und dem Aufstieg Leipzigs zur Handelsstadt trat eine Wende ein. 1525 macht der Prediger Thomas Müntzer Mühlhausen zu einem Zentrum radikalreformierter Bewegung. Er unterlag aber im Bauernkrieg. Daher wurde Thomas Müntzer vor den Mauern Mühlhausens hingerichtet. Ein Denkmal vor dem Frauentor erinnert heute an ihn. Ab 1525 entstand in Mühlhausen ein Zentrum der mitteldeutschen Täuferbewegung. Eine neue Reichsfreiheit wurde 1548 unter Kaiser Karl V. erkämpft. Um vom Dreißigjährigen Krieg keinen Schaden zu nehmen, musste Mühlhausen tief in die Tasche greifen und 1,75 Millionen Gulden bezahlen. Daraufhin wurden die Steuern erhöht, die Bevölkerung wurde zusehends ärmer und ging zurück. Auch Zerstörungen aus dem Siebenjährigen Krieg trugen zum weiteren Abschwung Mühlhausens bei. Zwischen 1624 und 1731 blieb die Stadt auch von Hexenverfolgungen nicht verschont. Zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert konnte sich Mühlhausen einen Namen mit Kirchenmusik machen. Einen wesentlichen Anteil daran hatte Johann Sebastian Bach, der 1707 und 1708 Organist an der Divi Blasii Kirche war. In Mühlhausen schuf Johann Sebastian Bach die Kantate „Gott ist mein König BWV 71“. 1802 verlor Mühlhausen die Reichsfreiheit und ging an Preußen, später unter Napoleon an Westphalen und letztendlich zurück an Preußen. 1892 gründete Mühlhausen einen eigenen Stadtkreis. Wirtschaftlich boomten vor allem die Textilindustrie, die metallverarbeitende Industrie sowie die Tabakindustrie. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung stieg die Einwohnerzahl wieder an und zahlreiche geistliche und kulturelle Einrichtungen entstanden oder entwickelten sich weiter. Dazu zählen etwa das Lichtspieltheater, das Rathaus oder auch die Marienkirche. Der Erste Weltkrieg forderte viele Tote in Mühlhausen. In Gedenken an die Gefallenen wurde 1928 ein Denkmal errichtet. Im Zweiten Weltkrieg wurden Juden in Mühlhausen verfolgt und einige ermordet. Am Stadtrand befand sich eine Außenstelle des KZ Buchenwald. Während des Zweiten Weltkriegs gab es viele Gebäude die durch Bombenangriffe zerstört wurden. Nach Kriegsende übernahm die Sowjetunion die Macht, ab 1949 die DDR. 1953 erfolgte ein Bauernaufstand gegen das Regime, der mit zahlreichen Festnahmen endete. Zwischen Oktober 1989 und Februar 1990 kam es zu politischen Demonstrationen, die die Demokratisierung und die Wiedervereinigung vorantrieben. Nach der Wende konnten zahlreiche verfallene Gebäude saniert werden, so dass die heutige Altstadt mit liebevoll wieder hergerichteten Fachwerk- und Bürgerhäusern aufwartet. Heute ist die Stadt ein Versorgungs- und Dienstleistungszentrum sowie eine Tourismusstandort in der Welterberegion Wartburg Hainich.


 

 

Weitere Informationen:

Tourist Information Mühlhausen, Ratsstr. 20, 99974 Mühlhausen, Tel. 03601 40 47 70

www.muehlhausen.de